Winter bei den Sorben
    
 

 

Februar

Die Monate Februar und März stehen in der zweisprachigen Lausitz im Zeichen der Fastnacht. Der Februar ist mit seinen 28 (29) Tagen der kürzeste, und das Eis ist immer noch gefroren und so hart wie Horn. Deshalb heißt er im Obersorbischen mały róžk (kleiner Horn) In der niedersorbischen Sprache bezieht sich der Februar auf Maria Lichtmess - swěckowny.

März

Der März steht in der Oberlausitz für den Frühling - nalětnik und in der Niederlausitz ist es der Monat nach dem Winter - pozymski.

Póstnicy - Fastnacht

Kein Brauch wird heute in der Lausitz so lang und ausgiebig gefeiert wie die Fastnacht, wobei Formen und Intensität der Brauchpflege in den einzelnen Regionen sehr unterschiedlich sind. Wird die Fastnacht in der Bautzener und Kamenzer Gegend, abgesehen von Umzügen der Kinder, überwiegend nur noch als geselliger Tanzabend in Kostümen begangen, hat sie sich in anderen Gebieten eine Reihe von Elementen bewahrt, die an den Zusammenhalt der traditionellen Dorfgemeinschaft erinnern.

Camprowanje - Zampern

Dieser Heischegang von Haus zu Haus ist am weitesten verbreitet. Er findet seine Wurzeln in vorchristlichen Glaubensvorstellungen. Mit Verkleidung und viel Lärm sollte vom Hof Unheil ferngehalten werden. Schimmelreiter und Storch symbolisieren den beginnenden Frühling, der Bär den abziehenden Winter, der Schornsteinfeger kehrt die Wintergeister aus, der Gendarm ist die Obrigkeit und die berühmte Eierfrau sammelt die Gaben für den Fastnachtsschmaus. Bis auf die Eierfrau haben diese traditionellen Figuren in den letzten Jahren an Bedeutung verloren. Heute kleidet sich die Dorfjugend in lustige Kostüme und zieht musizierend von Haus zu Haus. Sie begrüßen die Hausbewohner mit viel Lärm und Musik und fordern die Hausherrin zum Tänzchen auf. Der Besuch der Zampergruppe ist eine Ehre für jede Familie. Selbst ein Trauerhaus, bei welchem auf das Ständchen verzichtet wird, möchte nicht ausgeschlossen werden und leistet wie alle seinen Obolus in Form von Eiern, Speck aber auch Schnaps und Geld. Die Naturalien werden zumeist eine Woche später beim großen Eieressen, dem Abschlußfest der jeweiligen Zampergesellschaft, verzehrt.

Camprowanje - Zampern in Ćisk (Zeißig) bei Wojerecy (Hoyerswerda)

Das Zampern ist seit vielen Jahren in Ćisk (Zeißig) Tradition. An einem Sonnabend im Februar ziehen ca. 50 Männer und Jugendliche lustig verkleidet von Haus zu Haus, begleitet von Blasmusikanten und einem buntgeschmückten Pferdewagen.

Obwohl es heißt: "Die Narren kommen" oder wie wir auf sorbisch sagen "die Zamperer", bedarf es einer straffen Organisation und einer streng nach Tradition befolgten Durchführung.

Der Tag beginnt so: Eintragung in die Teilnehmerliste, Empfang der Kleinkassen, Aufstellen zum Fotografieren und Aufstellen zum Umzug durch das Dorf.

An der Spitze marschiert die Blaskapelle, gefolgt von den "Ältesten" des Dorfes. Sie erkennt man an den blauen Schürzen und an ihren bunten Sträußen an der linken Seite der Mütze. Hinter den "Ältesten" kommen die Traditionsfiguren eines jeden Dorfes. In Zeißig sind es der Schornsteinfeger, die sorbische Eierfrau, der Bäcker, der Clown, die Zigeunerin, die Hexe und viele weitere lustige Gestalten des Zuges. Den Schluß bilden die Gulaschkanonen, gezogen von einem Traktor, und der buntgeschmückte, schilfgedeckte Pferdewagen. Am Gehöft Forche endet der Umzug und das eigentliche Zampern beginnt. Die "Ältesten" betreten als erste das Gehöft oder das Haus und erbitten für alle Zamperer einen Obolus in die Hauptkasse. Die Kapelle spielt ein Ständchen und die "Ältesten" tanzen mit den Frauen des Hauses. Als Dank für die eingezahlte Spende werden Biermarken verteilt und ein Schnäpschen ausgeschenkt. Jeder andere Zamperer möchte natürlich auch Kleingeld in seine Sammelbüchse, was auch durch das Dorf fahrende Autofahrer zu spüren bekommen. Die Eierfrau hat es da einfacher. Sie wird schon erwartet und schnell füllt sich ihr Eierkorb.

Hausfrauen, Vorsicht! Der Schornsteinfeger hat schwarze Hände und ist immer auf eine liebevolle Umarmung bedacht.

Am Abend dann ziehen die aktiven Zamperer unter Marschmusik in den Saal ein. Die Frauen und Mädchen sind in den schönsten sorbischen Trachten der Hoyerswerdaer Region gekleidet, die Männer tragen schwarze Hosen, ein weißes Hemd und eine blaue Schürze.

Die ersten drei Tänze - Walzer, Polka und Annemarie- gehören den Zamperern und die der älteren Dorffrauen beobachten mit kritischen Augen das Treiben.

Es ist nicht einfach, an diesem Abend im Saal Platz zu finden, denn Jung und Alt aus dem gesamten Dorf beteiligen sich am Fastnachtstanz. Jetzt können natürlich auch die am Tag erhaltenen Biermarken eingelöst werden.

Lange nach Mitternacht endet das Fest und alle freuen sich, im nächsten Jahr wieder beim Zampern dabei zu sein.

Günther Zschech, Ćisk (Zeißig)

Zapust - Festumzug der Jugend zur Fastnacht in der Niederlausitz

Hier wird neben dem Zampern und der dazugehörigen Nachfeier dem Eieressen, der festliche Zapust- Umzug der Jugend, einer der bedeutendsten niedersorbischen traditionellen Festbräuche im Jahresverlauf, durchgeführt.

Zapust - Festumzug der Jugend in Žylow (Sielow)

Der "zapust" findet an einem Sonnabend oder Sonntag nach den Heischegängen statt. Alle am Umzug beteiligten Mädchen tragen die niedersorbische festliche Tanztracht. Die bestickten Tücher und Rockbänder, der Kopfputz "lapa", mit dem die Tracht erst vollständig ist, sind oft Neuanfertigungen, die nicht selten von den Großmüttern ihren Enkeltöchtern geschenkt wurden. Ankleiden lassen sich die Mädchen von Ankleidefrauen, um keinerlei Anlaß zur Kritik zu geben. Anschließend versammelt sich die Gruppe der Mädchen in der Gaststätte und erwartet dort die Burschen. Nach deren Eintreffen erhalten diese einen Blumenstrauß, den "Zapuststrauß" aus künstlichen Blumen an den Hut oder an das Revers gesteckt. Der Jugendälteste liest dann die Festordnung für die Durchführung und Gestaltung des Festes vor. Gleichzeitig wird die Zusammenstellung der Paare bekannt gegeben.

Nach dem nun folgenden Eintanzen der Paare begibt sich die Gesellschaft vor die Gastwirtschaft und läßt sich dort fotografieren. Danach ziehen die Jugendlichen in geordneter Reihenfolge, die Kapelle voran, durch das Dorf.

Der eigentliche Zweck dieser Umzüge sind Ehrenbesuche bei den Dorfbewohnern, die sich um das Gemeinwohl besonders verdient gemacht haben. Dort wird mit der geehrten Person, die ein Fastnachtssträußchen angesteckt bekommt, eine Ehrentour getanzt. Die Jugend erhält dafür einen ansehnlichen Obolus.

Am Abend kommen alle Einwohner zum festlichen Tanz in die Schenke. Früher achtete man darauf, daß recht viel getanzt wurde, denn nur dann, so war man sich sicher, würde der Flachs im neuen Jahr gut gedeihen. Die Mädchen sollten möglichst mit langen Jungs tanzen und recht hoch springen, damit der Flachs hoch schießt.

Witere Informationen über das Leben, die Geschichte, Sprache und Kultur der Sorben in Deutschland erfahren Sie in unseren Prospekten:

- Kleine Information zu den Sorben (Wenden) in Deutschland;

- Ostern bei den Sorben;

- Bräuche der Sorben (Wenden) in der Niederlausitz;

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