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Januar
Im Januar können Sie den interessanten Brauch
del Vogelhochzeit erleben. Dieser Monat hat 31 Tage und das Eis ist gefroren
und so hart wie Horn. Deshalb nennen die Obersorben ihn wulki
róžk (großer Horn). Für
Niedersorben ist es der Monat inmitten des Winters / wezymski.
Ptači kwas - Vogelhochzeit
Es
ist in der Oberlausitz Sitte, daß die Kinder am Morgen des 25. Januar
Teller vor das Fenster oder vor die Tür stellen, damit ihnen die
Vögel, welche an diesem Tag Vogelhochzeit halten, Süßigkeiten
hineinlegen. Man sagt, daß sich die Vögel mit diesen kleinen
Gaben bei den Kindern für die Fütterung in den Wintermonaten
bedanken. Die Wurzeln des Brauches sind bis heute nicht eindeutig geklärt.
Die Beliebtheit des Brauches führte dazu, daß
immer wieder neue Formen dieser Brauchpflege, vor allem in den pädagogischen
Einrichtungen, entstanden. So veranstalten heute in vielen Orten der Lausitz,
insbesondere Kindertagesstätten Vogelhochzeitsumzüge durch das
Dorf, wobei das Vogelbrautpaar "sroka a hawron"/Elster und Rabe
voranschreiten. Eine besondere Attraktion an diesem Tag sind die kleinen
Trachtenhochzeitsumzüge, welche man im Gebiet der katholischen Sorben,
aber auch in einzelnen Orten der Niederlausitz und um Schleife und Hoyerswerda
bewundern kann.
Ptači kwas im sorbischen Kindergarten in Chróscicy
(Crostwitz)
Schon vom Monatsbeginn an bereiten wir uns gemeinsam mit
den Kindern in der Tagesstätte auf dieses Fest vor. Es werden die
Vogelbraut und der Bräutigam gewählt, die dann am Tag der Vogelhochzeit
den traditionellen Brautzug gemeinsam mit dem "braka",
dem Hochzeitsbitter, anführen. Der "braka" ist etwas
Besonderes in unserer Region. Er ist der Zeremonienmeister einer Hochzeit
und gehört somit auch zu unserer Vogelhochzeit. Ein solches Fest
ohne Festtagskleidung, was wäre das? Deshalb tragen zur Vogelhochzeit
vor allem die Mädchen ihre sorbisch-katholische Festtagstracht. Der
Tag der Vogelhochzeit, der 25. Januar, beginnt für unsere Kinder
recht früh, denn das Ankleiden in eine Festtracht dauert ca. 1,5
Stunden. All die Mühen, das Stillsitzen sind vergessen, wenn sich
mit den ersten Sonnenstrahlen der Hochzeitszug den Bewohnern des Dorfes
präsentiert.
Mit unserem Vogelhochzeitsprogramm erfreuen wir die Grundschüler
und Lehrer der Crostwitzer Schule und die Bewohner des St. Johannes Pflegeheimes
in Smječkecy (Schmeckwitz).
Angela Młynkowa, Chrósćicy (Crostwitz)
Die Tradition der Vogelhochzeitsveranstaltungen für
Erwachsene
Mit der Gründung des Bautzener Vereines "Nadźija"
1920 feiern auch die Erwachsenen jährlich ihre Vogelhochzeit. Anfangs
führte man aus diesem Anlaß Theaterstücke auf oder veranstaltete
Konzerte. Dem Verbot der sorbischen Sprache 1937 folgte auch das Verbot
sorbischer Veranstaltungen. Nach dem 2. Weltkrieg gestalteten sorbische
Volkskunstgruppen die Programme der Vogelhochzeit. Später übernahm
das im Jahr 1952 gegründete Sorbische Nationalensemble die Programmgestaltung
der Vogelhochzeit. Neben den Veranstaltungen für Erwachsene stellt
es auch ein spezielles Programm für Kinder vor. Somit erleben die
Erwachsenen alljährlich ca.10 und die Kinder über 30 Aufführungen.
Auch in den Schaufenstern der Bäckereien sieht man,
daß die zweisprachige Lausitz Vogelhochzeit feiert. Neben den traditionell
bekannten Teigvögeln, den "srokas", werden Schaumvögel
und Vogelnester, sowie spezielle Naschereien an diesem besonderen Tag
angeboten.
Wie wird eine "sroka" hergestellt?
Der Teig ist ein mittelschwerer Hefeteig, bestehend aus
Mehl, Milch, Fett, Zucker, Hefe, einer Prise Salz und Aromastoffen, wie
Vanille, Zitrone, Mandeln. Er wird nach dem Gehen mit beiden Händen
zu einer konischen Schlangenform ausgewirkt und danach knotenartig verschlungen.
Der Knoten stellt den Kopf und den Rumpf des Vogels dar, der Rest bildet
den Schwanz. Diesen kann man durch Längsschnitte fächerartig
gestalten. Zum Abschluß erhalten die Teigvögel ihre Augen aus
zwei Korinthen. Nun sollten sie nochmals gehen, danach wird die "sroka"
ca. 20 min bei 220 Grad abgebacken. Zur Verfeinerung des Geschmacks erhalten
die Teigvögel nach dem Auskühlen eine Zuckerglasur oder werden
mit zerlassener Butter bestrichen und Puderzucker bestreut.
Bäckerei Scholze, Róžant (Rosenthal)
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