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Předhodowne nałožki / Pśedgodowne
nałogi / Bräuche der Vorweihnachtszeit
Die Vorweihnachtszeit wird alljährlich von Bräuchen begleitet,
die vor allem Kinder erfreuen. Zum einen sind es Heischegänge der
Kinder selbst, zum anderen Besuche vorweihnachtlicher Beschergestalten,
die meistens Heilige darstellen und die artigen Kinder belohnen.
Swjaty Měrćin / Martinsfest
Der Brauch des Martinssingens geht auf die Legende vom heiligen
Martin aus Tours zurück, der im 4. Jahrhundert seinen weiten Offiziersmantel
mit einem Schwert zerteilt haben soll, um einem vor Kälte zitternden
Bettler das Leben zu retten. Seit dem Mittelalter ist deshalb der Martinstag,
der 11. November, für die Kinder ein Tag des Teilens.
In den sorbisch-katholischen Dörfern der Landkreise
Kamenz und Bautzen ziehen die Kinder in kleinen Gruppen von Haus zu Haus
und singen den Heischespruch:
"Wjele
zboža přejemy
a so pěknje praamy, njej tu
swjaty Měrćin (Mikław) był,
njej tu ničo wostajił? Ju wak,
ju, połnu klu,hiće wulku
hromadu" |
"Viel
Glück wünschen wir
und brav fragen wir:
War nicht der hl. Martin
(Nikolaus) da, hat er für uns
was dagelassen? Ja, doch ja,
eine volle Schüssel und noch
eine Menge dazu." |
Im Kirchspiel Radibor (Kreis Bautzen) finden die Heischegänge
der Kinder am Nikolaustag, dem 6. Dezember, statt.
Swjata Borbora / Die heilige Barbara
Die heilige Barbara (Borborka) feiert ihren Namenstag am
4. Dezember. Seit dem Mittelalter wird sie als Nothelferin verehrt. Nur
noch in einigen Dörfern des Wittichenauer Kirchspiels, zum Beispiel
in Sollschwitz, geht die "heilige Barbara" am Vorabend ihres
Namenstags von Haus zu Haus. Sie kleidet sich in ein weißes Brautkleid
und trägt vor dem Gesicht einen Schleier. Sie wird von zwei Weihnachtsmännern
begleitet. Den braven Kindern beschert sie Äpfel, Nüsse und
Süßigkeiten.
Swjaty Mikławš / Der heilige Nikolaus
Das Fest des heiligen Nikolaus geht zurück auf Bischof
Nikolaus von Myra aus dem frühen 4. Jahrhundert, der nach der Legende
vor allem arme Kinder beschenkte.
In den meisten Orten der sorbisch-katholischen Lausitz kommt
heimlich der heilige Nikolaus. Am Vorabend seines Namenstags, am 5. Dezember,
stellen die Kinder ihre geputzten Schuhe vor die Tür. Als Brauchtumsfigur
tritt Nikolaus nicht in Erscheinung, er legt unerkannt die Süßigkeiten
in die Schuhe.
Boe dźěćetko / Das Christkind
Aus
der Spinte der Schleifer Region entwickelte sich das "boe dźěćetko".
Die Heidebauern zählten zu den Ärmsten in der Lausitz. So dachten
sich die Mädchen, dass man kleinen Kindern in der Adventszeit eine
Freude bereiten könnte. Das "dźěćetko" trägt
dazu eine eigene, genau festgelegte Tracht des jeweiligen Dorfs im Schleifer
Kirchspiel. Ein Mädchen, das beim Ankleiden hilft, bringt ein buntes
Band mit. Dieses wird entweder zur Schleife gebunden und am Ärmel
befestigt oder ungebunden dem Christkind an die Tracht geheftet. In seine
rechte Hand bekommt es eine Rute aus Birkenreisern, in die Linke ein Glöckchen,
mit dem es sein Kommen jeweils ankündigt. Beim Verteilen der Naschereien
streichelt es die Wangen der Kinder, ohne dabei ein Wort zu sprechen.
Die Erwachsenen werden mit der Rute gestreift, so wird die erwachende
Kraft der Natur auf sie übertragen. "Boe dźěćetko"
wird stets von zwei Mädchen begleitet, die ebenfalls in ihrer regionalen
Tracht gehen. Ein gern gesehener Gast ist das Christkind auf Weihnachtsfeiern
in Kindergärten, Schulen und bei Senioren.
Janšojski bog / Das Jänschwalder Bescherkind
Ein regional begrenzter Vorweihnachtsbrauch in der Niederlausitz,
der in die Spinnstuben zurückreicht, ist das Umhergehen des "bog".
Heute ist dieser Brauch nur noch in der Niederlausitzer Gemeinde Jänschwalde
lebendig.
Schon im 14. Jahrhundert wird von wendischen Spinngemeinschaften
berichtet. Dabei trafen sich die Mädchen eines Dorfs von Mitte Oktober
bis zum Aschermittwoch bei einem der Bauern zum allabendlichen gemeinsamen
Spinnen. Am Mittwoch vor Weihnachten wurde in Jänschwalde das älteste
Mädchen von den anderen als "Janšojski bog" (Bescherkind)
eingekleidet. Die Tracht des "Janšojski bog" wird aus den
schönsten Teilen der niedersorbischen Tracht zusammengestellt. Besonders
aufwendig ist der Kopfputz. In der Mitte stecken drei Brautjungfernkränzchen.
Ein Tülltuch, geschmückt mit bunten Bändern, mit Perlenschnüren
und Pailletten, verhüllt das Gesicht. Zwei weiße Schürzen
bedecken den roten Bandrock. Auch das Jänschwalder Bescherkind trägt
ein Glöckchen und eine mit bunten Bändern umwundene Birkenrute.
Während es schweigend die Kinder beschenkt, warten die beiden Begleiterinnen
draußen. Die Eltern und Großeltern werden mit der Rute berührt,
um für das neue Jahr Gesundheit und Glück zu gewinnen.
Swjata Marija pyta hospodu / Maria auf Herbergssuche
Das biblische Thema der Herbergssuche ist mitunter symbolisch
übernommen worden. In der sorbischen katholischen Lausitz wissen
die meisten Menschen, dass sie in der Adventszeit keinen Hilfesuchenden
abweisen dürfen.
In den Dörfern um das Kloster St. Marienstern (Kreis
Kamenz) werden die Statuen der Muttergottes und des heiligen Josef neun
Tage vor Heiligabend von Familie zu Familie getragen. Bei der Ankunft
und beim Verlassen eines Hauses wird gemeinsam gebetet. Bei der neunten
Familie bleiben die Statuen bis zu Mariä Lichtmess, dem 2. Februar.
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