Sorbische Bräuche im Jahreskreis
    
 

 

Jutrowne nałožki katolskich Serbow / Osterbräuche der katholischen Sorben


Klepotanje a jutrowne spěwanje / Klappern und Ostersingen

Mit dem Aschermittwoch beginnt bei den katholischen Sorben die 40-tägige Fastenzeit, eine Zeit der Besinnung und der Vorbereitung auf das Osterfest.

Den Karfreitag begeht der Katholik als völligen Fastentag. Auch die Kirchenglocken schweigen. In einigen Dörfern der katholischen sorbischen Lausitz versammeln sich die Jungen zum so genannten Klappern. Dreimal am Tag - morgens, mittags und abends - ziehen sie mit ihren hölzernen Klappern zu Kapellen und Wegkreuzen, um gemeinsam zu beten.

Aus Sollschwitz ziehen Mädchen und junge Frauen am Karfreitag singend und betend in ihren Kirchort Wittichenau und nach dem Gottesdienst wieder nach Hause. Am Ostersonnabend pilgern sie dorthin, um mit anderen Gläubigen die Ostermesse zu feiern.


Křižerjo / Osterreiten

Das Osterreiten ist wohl der bekannteste Brauch der katholischen Sorben. Seine Wurzeln reichen bis in die vorchristliche Zeit zurück, als man glaubte, durch Feldumritte die junge Saat vor der Missgunst böser Geister schützen zu können. Unter dem Einfluss des Christentums wandelte sich der Brauch in eine christliche Prozession. Lediglich in Ostro ist die ursprüngliche Form zusätzlich erhalten geblieben. Schon wenn am Ostersonntag die Sonne aufgeht, versammeln sich die Männer zum Flurritt und bitten dabei um Gottes Segen.

Das eigentliche Osterreiten ist heute ein Glaubensbekenntnis. Planung, Organisation und Durchführung liegen in den Händen der beteiligten Reiter, sind aber mit dem Gemeindepfarrer abgestimmt.

An den Tagen vor Ostern herrscht auf vielen Gehöften geschäftiges Treiben. Die Pferde werden gestriegelt, die Mähnen eingeflochten und das Pferdegeschirr auf Hochglanz gebracht. Am Ostermorgen werden die Mähnen gekräuselt und mit Blumen geschmückt. Am Schweif wird eine bestickte Schleife befestigt.

Auch der Osterreiter trägt festliche Kleidung: Reiterstiefel, Gehrock und Zylinder. Bevor er den Hof verlässt, wird er von der Hausfrau mit Weihwasser besprengt. Die Reiterpaare aus den umliegenden Dörfern sammeln sich an der Kirche. Nachdem der Pfarrer ihnen die Kirchenfahnen, die Statue des Auferstandenen und das Kruzifix überreicht hat, segnet er sie. Die Nachricht von der Auferstehung Christi wird hoch zu Ross in das benachbarte Kirchdorf getragen. Der Ablauf der Prozessionen in den sorbisch-katholischen Gemeinden Bautzen, Crostwitz, Radibor, Storcha, Ostro, Nebelschütz, Ralbitz, Wittichenau sowie Panschwitz-Kuckau folgt seit Jahrzehnten den gleichen Regeln: Zuerst wird dreimal die eigene Kirche umritten. Beim Hin- und Heimritt dürfen sich die benachbarten Züge nicht begegnen. Wenn Pferd und Reiter am Abend wieder in der Heimatgemeinde angekommen sind, umreiten sie dreimal den Friedhof, gedenken in Fürbitten der verstorbenen Osterreiter, der Toten und Kranken der Gemeinde und bitten in vielerlei Anliegen um Gottes Beistand. An der Kirche klingt der Ostersonntag mit einem gemeinsamen Gesang aus.