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Zymske nałožki / Winterbräuche
Nowolětka / Neujährchen
Im Winter ist der Bauer in Gedanken schon im nächsten
Jahr. Die Ernte und das Vieh waren einst seine Lebensgrundlage. Deshalb
wurden am Silvesterabend aus einem Teig aus Mehl, Wasser und einer Prise
Salz kleine Tiere geformt und gebacken. Diese "Neujährchen"
wurden am nächsten Tag artgleichen Tieren zum Fressen gegeben. So
wurde der Glaube an die Gesunderhaltung der Tiere bekundet. Noch bis Mitte
der dreißiger Jahre war dieser Brauch um Wittichenau lebendig. Heute
wird er meist in Schulen und Kindergärten der Ober-, Mittel- und
Niederlausitz ausgeübt, zum Spaß für die Kinder oder zum
Verschenken des Gebäcks an die Familie.
Ptači kwas / Vogelhochzeit
Ursprung
und Sinn dieses Brauchs können selbst von erfahrenen Volkskundlern
nicht genau bestimmt werden. Jedenfalls beruht er auf mystischen Vorstellungen
unserer Vorfahren aus heidnischer Zeit. Durch Speiseopfer glaubte man
die Gunst der Naturgötter zu gewinnen. Außerdem beobachtete
das Volk, dass viele Vögel um diese Jahreszeit schon Eier legten,
also musste zuvor Hochzeit gefeiert werden. Ende des 17. und Anfang des
18. Jahrhunderts wandelte sich der Glaube: Aus den Opfergaben an Ahnen
oder Götter wurden Liebesgaben an die Kinder. Diese Wandlung spiegelt
sich in der Sinngebung wider: Die Kinder werden zu Beschützern der
Vogelwelt und zur Vogelhochzeit wird ihnen dafür gedankt.
Am Morgen des 25. Januar stellen die Kinder in der Lausitz
Teller auf das Fenster oder vor die Tür, damit die Vögel Süßigkeiten
hineinlegen. Von besonderem Reiz sind in den sorbischen Kindergärten
die Umzüge in originalgetreuen Hochzeitstrachten der jeweiligen Region.
Man kann sie bei den katholischen und evangelischen Sorben der Oberlausitz,
aber auch in einzelnen Orten der Niederlausitz sowie um Schleife und Hoyerswerda
bewundern. Wie bei einer echten Hochzeit führt der Hochzeitsbitter
im schwarzen Anzug, mit Stock und Zylinder den Hochzeitszug an. Hinter
der Braut und dem Bräutigam schreiten zwei Patinnen, dann die Brautjungfern
und zum Schluss als Vögel verkleidete Hochzeitsgäste. In fröhlicher
Stimmung ziehen sie durch das Dorf und bedanken sich mit einem Ehrenbesuch
bei all denen, die zur Vorbereitung des Festes beigetragen haben.
Die Vogelhochzeit ist einer der schönsten Kinderbräuche
der Ober- und Niederlausitz. In den Kindergärten und Schulhorten
wird er als Fest den ganzen Tag gefeiert.
Eine andere Erscheinungsform der Vogelhochzeit ist die Abendveranstaltung,
die über den Rahmen des Kinderbrauchs hinausgeht.
Schon um 1880 veranstalteten sorbische Gastwirte in und
um Crostwitz am 25. Januar gesellige Abende für Erwachsene, die die
Bezeichnung "Ptači kwas" erhielten. Mit der Gründung
des sorbischen Vereins Nadija (Hoffnung) 1920 in Bautzen wurde hier
die jährliche Vogelhochzeitsfeier eingeführt, anfangs meist
mit Theaterstücken oder Konzerten. Ab 1937, während der Zeit
des Nationalsozialismus, wurden alle sorbischen Vereine samt ihren Aktivitäten
verboten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg gestalteten sorbische Volkskunstgruppen
die Programme zur Vogelhochzeit, bis 1957 das Staatliche Ensemble für
sorbische Volkskultur - heute Sorbisches National-Ensemble - die Ausrichtung
übernahm. Auf vergnügliche Art führt ein sorbischer Hochzeitsbitter
durch das Programm und erheitert die "Hochzeitsgesellschaft".
Chor, Orchester und Ballett zeigen Bearbeitungen der sorbischen Volksmusik,
die durch Sketche aufgelockert werden; anschließend ist für
alle Tanz. Jedes Jahr werden an verschiedenen Orten um den 25. Januar
etwa dreitausend Gäste begrüßt. Die Vogelhochzeiten finden
in den Dörfern Crostwitz, Radibor, Drachhausen, Werben und in den
Städten Bautzen, Cottbus, Hoyerswerda, Kamenz und Wittichenau statt.
Neben den Veranstaltungen für Erwachsene wird an den Vormittagen
auch ein spezielles Programm für Kinder angeboten.
Zapust w Dolnej Łužycy / Die niedersorbische
Fastnacht
Kein Brauch wird in der Niederlausitz so ausgiebig gefeiert
wie die sorbische oder wendische Fastnacht. Sie ist aus dem dörflichen
Arbeitsleben hervorgegangen. Im Winterhalbjahr versammelten sich die Mädchen
zur Spinte, saßen am Spinnrad, sangen Volkslieder oder Choräle
und erzählten sich Dorfgeschichten. Vor der Frühjahrsaussaat
durften die Burschen zu den Mädchen und holten sie zum "Zapust-Vergnügen"
ab. Die Spinte war also das eigentliche Geselligkeits- und Kulturzentrum
der Dorfjugend.
Die heutige Form der Fastnacht, die sich erst gegen Ende
des 20. Jahrhunderts durchgesetzt hat, besteht aus dem Zampern (camprowanje)
und dem Festumzug (zapustowy pśeśěg).
Camprowanje / Das Zampern
Der historisch älteste Teil der Fastnacht ist das Zampern
der Jugend durch das Dorf. Seine Wurzeln liegen in vorchristlichen Glaubensvorstellungen.
Mit viel Lärm, Maskerade, Rutenschlagen und Tanz sollten Dämonen
von den Höfen fern gehalten werden. Schimmelreiter und Storch symbolisierten
einst den nahenden Frühling, der Bär den abziehenden Winter,
der Schornsteinfeger kehrte die Wintergeister aus und die doppelte Person
stellte einen Toten dar, der den Lebendigen trägt.
Heute haben diese Figuren an ursprünglicher Bedeutung
verloren. Dafür legt die Dorfjugend lustige Kostüme an und zieht
musizierend von Haus zu Haus, sammelt Speck, Eier und Geld. Zum Dank wird
die Hausherrin zum Tänzchen aufgefordert und der Hausherr zum "palenc"
(Schnäpschen) eingeladen. Die gesammelten Gaben werden meist eine
Woche später beim so genannten "Eieressen" verzehrt und
vertrunken.
Zapustowy pśeśěg / Der Festumzug
zum Zapust
Den
Höhepunkt der Fastnacht in der Niederlausitz bildet am Sonnabend
oder Sonntag der Umzug der jungen Paare. Alle daran beteiligten Frauen
und Mädchen tragen die festliche niedersorbische Tanztracht, die
durch die "lapa" - eine kunstvoll gebundene große Haube
- gekrönt wird. Jeder Bursche bekommt von seiner Partnerin einen
aus Papierblumen gefertigten Zapust-Strauß an den Hut oder an das
Revers geheftet. Dann setzt sich der Zug in Bewegung, vorneweg schreitet
die Musikkapelle. Es werden Ehrenbesuche bei verdienstvollen Dorfbewohnern
abgestattet, die als Dank eine Gabe in die Fastnachtskasse legen. Am Abend
ziehen alle wieder zum Tanz in die Schenke ein.
Die niedersorbische Fastnacht wird von Mitte Januar bis
Anfang März in fast allen Dörfern um Cottbus von tausenden Bewohnern
gefeiert.
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