Kleine Information zu den Sorben / Wenden in Deutschland
    
 

 

Sorben in der Region Hoyerswerda / Wojerecy

Der Kreis Hoyerswerda wurde 1824 als regionales Verwaltungsgebiet gebildet und gehörte zum preußischen Regierungsbezirk Liegnitz, zur Provinz Schlesien. Vor 1815 war die Region dem Königreich Sachsen zugehörig. Die Besonderheit dieses Kreises ist, dass beide Konfessionen, die evangelische wie die katholische, das Leben der Sorben beeinflussen. Als Zentren könnten die Städte Hoyerswerda - für die evangelischen - und Wittichenau als das der katholischen Sorben genannt werden. Sorbische Kultur, Sprache und Brauchtum wurden vor allem von sorbischen Geistlichen und Lehrern bewahrt und gefördert. Die protestantische preußische Kirche verfolgte eine antisorbische Sprachenpolitik, wogegen die katholische Kirche sich den Sorben gegenüber loyaler verhielt.

Namhafte Sorben sind in dieser Region geboren und haben hier gewirkt. Handrij Zejler (1804 - 1872) war fast 40 Jahre als evangelischer Pfarrer in Lohsa tätig und ist als Begründer der sorbischer Nationalliteratur in die Geschichte eingegangen. Im Lohsaer "Zejler- Smoler- Haus" wird heute auch Jan Arnošt Smolers (1816 - 1884), eines Sohnes dieser Pfarrgemeinde gedacht. Der Wissenschaftler J. A. Smoler hat sich große Verdienste um das sorbische Volk erworben und war die Leitfigur der sorbischen nationalen Bewegung des 19. Jahrhunderts. Ein Jahrhundert früher waren es Wittichenauer, deren Namen weit über die Region hinaus bekannt wurden. Der Jesuit Jakub Xaver Ticin (1656 - 1693) ist Mitbegründer der sorbischen Schriftsprache. Die Arbeiten des Bildhauers Mathias Wenzel Jakula/Jäckel (1655 - 1738) finden sich nicht nur in seiner Heimat, sondern schmücken auch mehrere Kirchen in Prag und sind Bestandteil der berühmten Karlsbrücke. Auch in der Lausitzer Heidelandschaft verschlechterte sich im 19. Jahrhundert die wirtschaftliche Lage der Häusler, Klein- und Mittelbauern, so dass viele Sorben Haus und Hof verließen, um ihr Glück in Amerika zu suchen. Die Industrialisierung, vor allem die Entstehung des Braunkohlebergbaus im folgenden Jahrhundert, brachte zwar den wirtschaftlichen Aufschwung, schwächte aber durch starken Zuzug von Arbeitskräften die Struktur der sorbischen Bevölkerung. Mit der bürgerlichen Entwicklung erfolgt seit dem frühen 19. Jahrhundert eine Stärkung des sorbischen Nationalbewußtseins und es beginnt eine rege kulturelle Vereinstätigkeit. Im Jahre 1846 findet in Hoyerswerda das erste sorbische Gesangsfest statt und 1885 wird die sorbische Bauernvereinigung gegründet. Die Wittichenauer gründen 1898 den Verein "Bratrowstwo" (Bruderschaft), der heute mit einem Chor und einer Laienspielgruppe das kulturelle Leben bereichert.

Am 13. Oktober 1912 trafen sich Vertreter verschiedener Vereine in Hoyerswerda und gründeten die "Domowina", den Bund der sorbischen Vereine. Der zunächst kulturell tätige Dachverband der Sorben widerstand der Vereinnahmung durch die Nationalsozialisten und wurde deshalb am 18. März 1937 verboten. Alle Vereinstätigkeiten, zu denen auch die sorbischen Zeitschriften gehörten, wurden verboten und Geistlichen sowie auch Lehrer aus der Heimat verwiesen. In den Jahren der DDR - als sich Hoyerswerda immer mehr zur "sozialistischen Wohnstadt" entwickelte - nahm die Domowina weiterhin die Interessen der sorbischen Bevölkerung wahr und förderte vor allem das Volkskunstschaffen. Am 19. Oktober 1991 wurde in Lohsa durch Vertreter der Regierung des Freistaates Sachsen, des Landes Brandenburg und des Bundes die Gründungsurkunde der Stiftung für das sorbische Volk unterzeichnet.

Seit der politischen Wende wird das "Haus der Domowina/Domowinski dom" auf der Dresdner Straße in Hoyerswerda immer mehr zum sorbischen kulturellen Zentrum. Das Angebot reicht von kulturellen Veranstaltungen für Schulen wie auch Senioren, über Brauchtumspflege bis hin zu Sorbisch- Sprachlehrgängen der Volkshochschule.

Träger dieser Aktivitäten zur Pflege sorbischer Sprache und Kultur ist die Domowina-Regionalvereinigung "Handrij Zejler", welche ihren Sitz in diesem Hause hat.Um die sorbische Sprache zu aktivieren, wurden WITAJ- Kindergärten eingerichtet, in denen die Kinder "spielend" die Sprache ihrer Großeltern von der ersten Stunde an lernen (witaj sorb. = willkommen ! ). Inzwischen sind zahlreiche Eltern von den Vorteilen einer frühen Zweisprachigkeit überzeugt und schicken daher ihren Nachwuchs in den WITAJ- Kindergarten in Dörgenhausen oder in die zweisprachige Gruppe in Bergen.

Die Trachten der evangelischen Hoyerswerdaer Sorben und die der katholischen Sorben um Wittichenau werden im Alltag noch von den älteren Sorbinnen getragen. Zunehmend aber erfreuen sich beide Festtagstrachten bei Jugendlichen, die diese zu sorbischen Volksbräuchen und an Festtagen anlegen, großer Beliebtheit. Neu oder auch wieder gegründete Vereine - wie zum Beispiel in Bröthen, Seidewinkel, Bluno, Neustadt/Spree, Schwarzkollm, Zeißig und Wittichenau -widmen sich der Brauchtumspflege und zeugen auch außerhalb der zweisprachigen Lausitz von der reichen Kultur der Sorben.

Jurij Wuschansky

weitere Informationen unter:
Regionalbüro - Haus der Sorben in Hoyerswerda
Dreždźanska 18 / Dresdener Str.18
02977 Wojerecy / Hoyerswerda
Tel. 03571 / 418026