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Leben und Glauben bei den katholischen Sorben
Das sorbische Kerngebiet ist fast identisch
mit der katholischen sorbischen Lausitz zwischen Bautzen, Kamenz und Hoyerswerda.
Christlicher Glaube und sorbisches Volkstum bilden hier eine fruchtbare
Symbiose. Brauchtum und Traditionen sind Ausdruck eines Selbstverständnisses,
das vom katholischen Glauben geprägt ist. Vor allem die Feier der
Sonntage und vieler Feste im Kirchenjahr bestimmt das Leben des Einzelnen,
der Familien und der Dorfgemeinschaft. Die sorbische Sprache ist als Muttersprache
weithin dominierend. Tiefe Familien- und Verwandtschaftsbande bewirken
Gastfreundschaft und Heimatliebe. Eine frei gewählte "Sonntagspflicht"
ist auch, dass das sorbische Rundfunkprogramm gehört und die sorbische
Wochenzeitschrift "Katolski Posoł" ("Katholischer
Bote") gelesen wird. Viele Hörer und Leser sind freie Mitgestalter
dieser beliebten Medien, darunter auch Kinder und Jugendliche.
Das
kirchliche Leben der 15.000 katholischen Sorben vollzieht sich innerhalb
der neun Pfarrgemeinden in festen Strukturen bei aller Offenheit für
moderne Formen. In diesen Gemeinden gibt es Kinderchöre, Schola-
und Messdienergruppen. Praktisch alle Kinder nehmen am schulischen Religionsunterricht
teil. Für die Jugend fühlt sich die Regionale Jugendseelsorge
verantwortlich, die einige hundert Jugendliche erreicht und über
ein eigenes Bildungshaus in Räckelwitz verfügt. In großer
Selbstverständlichkeit werden mehrmals im Jahr Wallfahrten nach Rosenthal
durchgeführt, von denen besonders die vom Pfingstmontag zu einer
wahren Manifestation des Glaubens der katholischen Sorben geworden ist
und einige tausend Menschen vereint. Unübertroffen ist das Osterreiten
am Ostersonntag mit über 1.300 Reitern in neun Prozessionen.
Kaum sonst wo in Deutschland begegnet man einem derart lebendig
gebliebenen Glauben wie in der katholischen sorbischen Lausitz. Deshalb
verwundert es nicht, dass es die meisten Sorben in der Heimat hält
und viele sich nach ihr zurücksehnen, die sie verlassen haben.
Die Liebe zur Heimat und das Gefühl unbedingter Zusammengehörigkeit
schenkt den Sorben einen unerschütterlichen Glauben an die Fortdauer
ihrer Existenz. Mit ihrem Dichter Jakub Bart-Ćiinski (+ 1909)
pflegen sie zu bitten: "Božo budź miły, zdźerž
strowy a čiły do skónčenja časow mój
serbski lud!" ("Gnädiger Gott, erhalte gesund und rüstig
bis ans Ende der Zeiten mein sorbisches Volk!")
Ins neue Jahrtausend
In keiner Weise denkt die sorbische Bevölkerung an
ihren baldigen Untergang, auch wenn er ihr immer wieder prophezeit wird.
Im Gegenteil. Zum Zeichen ihres Selbstverständnisses und ungebrochenen
Lebenswillens haben vor allem sorbische Christen auf Betreiben des Cyrill-Methodius-Vereins
e.V. auf einer markanten Anhöhe westlich von Schmochtitz im Jubiläumsjahr
2000 nach Christi Geburt ein Millenniumsdenkmal errichtet. Es ist den
Slawenaposteln Cyrill und Methodius geweiht, die seit 1980 als Mitpatrone
Europas gelten. Wo sich einst alte Handelswege wie die Hohe Straße
mit anderen kreuzten und wo heute in nächster Nähe die Autobahn
A4 mit ihrer Raststätte Oberlausitz vorbeiführt, lädt diese
Stätte zum stillen Verweilen ein. Der herrliche Rundblick über
das Lausitzer Gefilde lässt die Gedanken gleichermaßen sowohl
in die Vergangenheit als auch in die Zukunft schweifen.
Seit
1992 befindet sich im Bischof-Benno-Haus in Schmochtitz die Bildungsstätte
des Bistums Dresden-Meißen. Wegen ihrer Nachbarschaft zu Polen und
Tschechien ist diese allen offene Einrichtung geradezu prädestiniert,
der nationalen wie übernationalen Verständigung zu dienen. Hier,
im ehemaligen Priesterseminar, erfuhr der sorbische Kaplan Alois Andritzki
seine geistige Prägung, die er - erst 28- jährig - bis zu seinem
frühen Tode 1943 als Märtyrer im Konzentrationslager Dachau
nie aufgab. Von ihm ist bezeugt, dass er "niemanden mit Worten verletzte,
Missverständnisse allerorten ausräumte und Frieden und Versöhnung
verbreitete". Seinem Beispiel wie überhaupt dem Erbe der Väter
wissen sich die Sorben in jeder Hinsicht verpflichtet und sind bereit,
sich auch im neuen Jahrtausend für das Wohl der Menschen von Nah
und Fern einzusetzen.
Gerat Wornar
Pfarrer in Storcha
Weitere Informationen unter:
Cyrill- Methodius- Verein e. V.
Póstowe naměsto 2 / Postplatz 2
02625 Budyin / Bautzen
Tel. 03591 / 550405 oder 550210
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