| Kleine Information zu den Sorben / Wenden in Deutschland | |||||||||
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WITAJĆE K NAM DO ŁUŽICY / HERZLICH WILLKOMMEN IN DER LAUSITZ! Fremde, Reisende oder Besucher werden, die heutige Lausitz bereisend, am ehesten durch die zweisprachige Beschilderung von Orten, Bahnhöfen, Straßen oder auch Landkarten auf die Andersartigkeit dieses Gebietes aufmerksam. Eine " terra incognita" mitten in Europa? Nein! Man ist auch noch nicht in Polen. In diesem Teil Deutschlands ist ein slawisches Volk beheimatet. Es sind deutsche Staatsbürger, deren Muttersprache eine slawische ist.
Lausitz: Dies ist die geografische Bezeichnung für das Gebiet zwischen den Fließen der Spree - dem Spreewald im Norden - und dem Mittelgebirge - dem Lausitzer Bergland im Süden. Auf der politischen Landkarte finden wir es im Südosten Brandenburgs und im Osten Sachsens. Lausitz - der Name ist slawischen Ursprungs und bedeutet so viel wie Wasserloch, Wasserpfütze und verweist auf eine wasserreiche Gegend. Im 6. Jahrhundert besiedelte ein Stamm der Westslawen - bezeichnet als die Lusici - das Gebiet der heutigen Niederlausitz. Zur selben Zeit wurde das gesamte Gebiet zwischen den Flüssen Saale/Elbe im Westen und Queis/Neiße/Oder im Osten von slawischen Stämmen besiedelt und kultiviert. In der Oberlausitz war es der Stamm der Milzener, welcher sich um den Schnittpunkt der Spree mit der uralten Handelsstraße von Köln nach Kiew ansiedelte. Viele mehr oder weniger gut erkennbare Burgwälle sind Zeugen dieser Epoche. Es folgen Jahrhunderte wechselvoller Geschichte mit dem erstaunlichen Ergebnis, dass immer noch Nachfahren dieser slawischen Stämme innerhalb und im Umland der Städte Bautzen, Kamenz, Hoyerswerda, Weißwasser, Spremberg, Cottbus, Lübbenau und Guben in der Ober- und Niederlausitz leben. Sie haben sich ihre Sprache, Eigenart und Kultur bewahrt und bilden das kleine Volk der Lausitzer Sorben beziehungsweise Wenden. Der Name kommt aus dem Lateinischen und war im Mittelalter Fremdbezeichnung für verschiedene slawische Stämme und Völkerschaften. Dass dieses kleine Volk immer noch existiert, ist wohl um so erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass es zu seinem Schutz nie einen eigenen Staat hatte. Dafür beeinflussten andere Kräfte die Geschichte der Sorben nachhaltig, beispielsweise fränkisch-germanische Stämme, welche im 10./11. Jahrhundert die politische Unabhängigkeit verweigerten und die Rolle der Sorben/ Wenden als Untertanenvolk besiegelten oder die Christianisierung, die (als Ausgleich dafür?) sie teilhaben ließ an der kulturellen Entwicklung der mitteleuropäischen Zivilisation oder die Einwanderung fränkischer, flämischer, thüringischer und sächsischer Bauern Ende des 12. Jh. All das begründete das ständige Mit- und Nebeneinander von abendländisch-deutscher Kultur auf der einen Seite und morgenländisch-slawischer Kultur auf der anderen. Oder war es die Industrialisierung seit der Mitte des 19.Jahrhunderts, welche die ursprünglich, ländlich-bäuerliche Struktur aufzulösen begann bis hin zu den neuzeitlichen Ungetümen aus Stahl, die die Heimat umpflügen, um zu finden, was der "Teufel vergraben hat", wie es die sorbische Jugend in einem Lied besingt, und die so die Geschichte der Besiedlung erneut provozieren? So wurden fortlaufend das Siedlungsgebiet und die Zahl der Angehörigen auf heute noch ca. 60.000 reduziert mit dem Status, Minderheit im eigenen Land zu sein.
Die Gefildelandschaft vom nördlichen Rand des Lausitzer Gebirges bis hin zur Teichlandschaft der Mittellausitz ist die Region der evangelischen Sorben des Bautzener Landes; die sich westlich bis zu den Elstraer Bergen und nördlich bis zur Gegend des Ackerbürgerstädchens Wittichenau anschließende fruchtbare Gefilde- und Hügellandschaft bildet die Region der katholischen Sorben; die Stadt Hoyerswerda gibt der Region dieser Heidelandschaft den Namen ebenso, wie das Dorf und Kirchspiel Schleife Namenspate für die Bezeichnung der dortigen Region ist. In beiden letztgenannten wie auch in der fünften und flächenmäßig größten Region - der Niederlausitz - prägen Halden und Tagebaue das Gesicht dieser ehemals geschlossenen Wald-und Heidelandschaft. Nicht zuletzt und wohl als bekannteste Region gehört zur Niederlausitz der Spreewald, eine durch Hunderte von Fließen, Gräben und Nebenflüssen der Spree gebildete Auenlandschaft von besonderem Reiz. Zu den äußeren Unterscheidungsmerkmalen der Regionen gehören zum einen die natürlichen Gegebenheiten (ob fette Äcker oder sandige Böden, wald- oder wasserreiche Gegend, hügeliges oder flaches Land) und zum anderen die traditionelle Bauweise mit ihren Hof- und Hausformen. In der Lausitz des 19. Jahrhunderts waren vier charakteristische Bauweisen vorherrschend. Zeugen davon sind gegenwärtig noch überall zu finden.
Ein weiteres äußeres Unterscheidungsmerkmal sind die Trachten, welche unter anderem auch auf die Konfessionszugehörigkeit schließen lassen. Bekannt ist, dass in der Blütezeit zu Beginn des 19. Jahrhunderts 11 verschiedene Regionaltrachten getragen wurden, zum Teil örtlich begrenzt. Seit Beginn der Industrialisierung wurden die Trachten jedoch immer mehr aus dem Alltag verdrängt. In vier der fünf Regionen, deren Namen mit der Bezeichnung der dort getragenen Trachten einhergehen, sind die Trachten heute noch lebendig. Wer Glück hat, bemerkt vielleicht hier und da ältere Frauen in der zeitlosen Mode dieser regional verschiedenen Trachten. Es wird wohl die letzte Generation sein, welche die Tracht noch tagtäglich trägt. Immer öfter zeigt sich die junge Generation zu besonderen Anlässen in diesen Trachten. Viele Wege führen in die Lausitz. Über die mittelalterliche "Via regia", auch als Salzstraße bekannt, gelangt man von West und Ost in die tausendjährige, vieltürmige Stadt Bautzen/Budyin. Es ist der Ort, in dem sich heute die meisten sorbischen kulturellen Einrichtungen befinden. Von hier aus gelangt man spreeabwärts über die zerfurchte Lausitzer Heide bis nach Cottbus, wo sich die Niedersorben in den umliegenden Dörfern heute noch als Wenden bezeichnen. Der das Land und die Leute zielgerichtet Kennenlernende wird wenig Mühe haben, ursprüngliches sorbisches Leben zu finden, das sich beim genaueren Hinsehen doch von dem in andereren ländlichen Regionen Deutschlands bzw. Mitteleuropas unterscheidet. Seit der Industrialisierung ist es zwar mehr und mehr in den privaten Bereich verdrängt worden, doch vor allem auf dem kulturellen Gebiet ist es öffentlich erlebbar. Besonders hier konnte das sorbische Volk aus eigener Kraft mit der allgemeinen Entwicklung Schritt halten. Sorbische und zweisprachige Kindertagesstätten, Schulen und Gymnasien sowie sorbischsprachige Hochschulausbildung und sorbische Medien sind neben dem Elternhaus wichtige Voraussetzungen für die Bewahrung und Entwicklung der sorbischen Sprache und Kultur. Sorbischsprachige evangelische und katholische Gottesdienste mit vollklingendem Gesang - auf die enge Verbindung zwischen Religiosität und Nationalität verweisend - sind ebenso Beweis für die Lebenskraft wie vielfältige kulturelle Aktivitäten professioneller Künstler und Institutionen, ehrenamtlich Tätiger in Vereinen oder Gruppen, dörflicher Gemeinschaften und Einzelschaffender oder die Herausbildung sorbischen Unternehmertums; es ist viel mehr als bloße Freizeitbeschäftigung oder Vertretung von Einzelinteressen. All diesen Faktoren ist eines gemeinsam - sie sind wichtige Multiplikatoren und Bewahrer sorbischen nationalen Bewußtseins und sorbischer Identität. Für die Antwort auf die schon zu Luthers Zeiten gestellte Frage, ob die zukünftige Generation die sorbische Sprache und Kultur noch als ihre ansieht, wird entscheidend sein, ob die Gesellschaft uns sorbische Eltern und Großeltern als Bereicherung oder Ballast empfindet, ob sich Zwei- und Mehrsprachigkeit in unserem Siedlungsgebiet für alle als allgemeiner Wert herausbildet und ob wir selbstbewußt weiter als Minderheit leben wollen. Marko Kowar
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