Ostern bei den Sorben
    
 

 

Übersicht zu den einzelnen Prozessionen

Ralbicy - Kulow / Ralbitz - Wittichenau. In beiden Pfarrgemeinden sammeln sich die Osterreiter, welche die größten Prozessionen stellen, bereits am frühen Vormittag, denn sie haben den weitesten Weg zurückzulegen.

In den letzten Jahren wurden bei den Ralbitzern zwischen 200 und 250 , bei den Wittichenauern sogar 300 bis 400 Osterreiter gezählt. Dabei sind die beiden sprachlich verschiedenen Teile der Wittichenauer Prozession etwa gleich groß.

Vor dem Jahr 1541 ritten die Wittichenauer, die sich lieber Kreuzreiter nennen, nach Hoyerswerda. Seitdem die dortige Gemeinde den lutherischen Glauben angenommen hat und somit Prozessionen nicht duldete, besuchen sich die Prozessionen der beiden Gemeinden Ralbitz und Wittichenau gegenseitig.

Ralbitz ist nicht nur wegen der großen Zahl der Osterreiter anziehend. Der Friedhof mit seinen schlichten weißen Holzkreuzen - seiner Art nach soll er einmalig in Europa sein - hat das ganze Jahr über viele Besucher. Die Gleichheit der Kreuze weist darauf hin, daß vor Gott alle Menschen gleich sind. Jeder Verstorbene, ob hoch angesehen oder ganz einfach, bekommt ein schlichtes, weißes Holzkreuz.

2001 ritten in Ralbitz 340 (1998: 327) und in Wittichenau 445 (1998: 430) Osterreiter mit.

Chróscicy - Pančicy-Kukow / Crostwitz - Panschwitz-Kuckau. Crostwitz ist die größte und wohl auch bekannteste sorbische Pfarrgemeinde. Auch der Ort Panschwitz-Kuckau gehört zu dieser.

Im Jahre 1790 untersagte der Pfarrer das Reiten und gab die Kirchenfahnen nicht heraus. Das störte die Osterreiter wenig. Sie ließen sich selbst welche anfertigen und das Reiten fand statt.

Später wurden die alten Kirchenfahnen neben den selbstgenähten wieder mitgeführt. Seitdem hat die Crostwitzer Prozession zwei Fahnenpaare.

Die Panschwitzer ritten zu jener Zeit noch in Crostwitz mit. Erst 1894 bildeten sie eine eigene Prozession und sind seither Partner der Crostwitzer.

Neben den Osterreitern bildet in Panschwitz auch das Kloster St. Marienstern mit seinem schönen Hof und Garten einen Anziehungspunkt für zahlreiche Besucher.

2001 ritten in Crostwitz 223 (1998:196) und in Panschwitz-Kuckau 111 (1998:89) Osterreiter mit.

Zwei Bitten haben wir Osterreiter an Sie: Denken Sie bitte daran, daß ein Pferd keine Maschine, sondern ein lebendiges Wesen ist. Halten Sie bitte in Ihrem eigenen und in unserem Interesse Abstand zu den Tieren, damit es nicht zu Unfällen kommt. Es wäre für uns ein sehr schönes Zeichen Ihrer Wertschätzung für das, was wir tun, wenn Sie Stille und Zurückhaltung üben würden, während wir beten und singen.

Wir danken für Ihr Verständnis und wünschen Ihnen ein frohes und gesegnetes Osterfest.

Njebjelčicy - Wotrow / Nebelschütz - Ostro. Nebelschütz ist die territorial kleinste sorbische Pfarrgemeinde. Sie besteht lediglich aus drei Dörfern.

Die in den Jahren 1741 bis 1743 erbaute barocke Dorfkirche wurde 1993 vollständig restauriert und ist wieder ein sehenswertes Gotteshaus.

Das Osterreiten wurde in Nebelschütz 1769 nach einer Zwangspause infolge des Dreißigjährigen Krieges erneuert.

Im Jahre 1758 wurde die Pfarrgemeinde Ostro gegründet. Doch erst 1814 billigte der Bischof Franz Georg Lock, selbst ein Sorbe, dieser das Recht zu, eine eigene Osterreiterprozession zu bilden. Damals entstand die Partnerschaft zu Nebelschütz.

In Ostro gibt es eine Besonderheit. Am frühen Ostersonntagmorgen reiten Männer um die Felder der Gemeinde und beten um den Segen Gottes für eine gute Ernte. Am Mittag beginnt dann das Osterreiten.

2001 ritten in Nebelschütz 122 (1998:110) und in Ostro 126 (1998:116) Osterreiter mit.

Radwor - Baćoń / Radibor - Storcha. Am Ostersonntag des Jahres 1623 untersagte Christoph von Minkwitz, Gutsherr von Radibor, den Osterreitern, den Friedhof zu betreten. Er wollte mit Gewalt den lutherischen Glauben im Ort durchsetzen. Deshalb verbot er katholische Prozessionen, was sich die Radiborer aber nicht gefallen ließen. Es kam zu handgreiflichen Auseinandersetzungen der Reiter mit Angestellten des Gutshofes. Dieser Vorgang ist als Osterreiterkrieg in die Geschichte der dortigen Pfarrgemeinde eingegangen.

Aus bisher nicht ermittelten Gründen unterblieb später in Radibor 120 Jahre lang das Osterreiten. 1882 wurde es wieder aufgenommen. Ein Jahrzehnt ritten die Radiborer nach Sdier, bis 1892 in Storcha eine Prozession gebildet wurde. Seither besuchen sich die Osterreiter dieser zwei Gemeinden gegenseitig.

Nachdem die Zwangskollektivierung der Landwirtschaft den einheimischen Pferdebestand sehr stark reduziert hatte, kam es 1973 bis 1977 dazu, daß die Storchaer Prozession aufgegeben werden mußte. Doch seit 1978 reiten die Storchaer wieder. Diese beiden Prozessionen begegnen sich in Strohschütz. Sehenswert für Radibor und Storcha sind ihre Kirchen. In Radibor steht eine für ein kleines Dorf ungewöhnlich große Kirche, die 1896 erbaut wurde. Die letzten Restaurationsarbeiten wurden 1991 beendet. Der St.- Cyrill- Methodius- Verein ließ die Kirche in Storcha bauen. Diese konnte 1887 eingeweiht werden, nachdem 13 Jahre lang für sie gesammelt wurde.

2001 ritten in Radibor 124 (1998:119) und in Storcha 85 (1998:77) Osterreiter mit.

Budyšin / Bautzen. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts hatte das Osterreiten in Bautzen seine alljährliche Tradition. Schon damals ritten die Osterreiter nach Radibor, um die Botschaft von der Auferstehung Jesu Christi zu verkünden.

Nach einer langen Pause erfolgt 1927 die Erneuerung der Prozession. Genau sieben Osterreiter begaben sich hoch zu Roß in die benachbarte Pfarrgemeinde Radibor. Ein Jahr später wurde die Prozession von Bautzen wieder offiziell eingeführt. Im Jahre 1969 ritt auch diese zum letzten Mal. Mangelndes Interesse sowie zu wenig Pferde führten dazu.

Nach 23 Jahren, im November 1992 wurde auf einer Versammlung der Osterreiter die zweite Erneuerung der Bautzener Prozession innerhalb des 20. Jahrhunderts beschlossen. Seit 1993 reiten wieder Osterreiter von Bautzen nach Radibor.

2001 nahmen an der Prozession 67 Reiter teil.