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Die Sorben

Allgemein Zeittafel
Trachten

Die Tracht war die traditionelle Kleidung der sorbischen ländlichen Bevölkerung in den einzelnen Regionen der Ober- und Niederlausitz. Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts legten Kleiderordnungen fest, welches Material und welcher Schmuck von welchem Stand getragen werden durfte. Nach der Französischen Revolution (1789–1794) änderte sich der Kleidungsstil. Die Tracht wurde zum sozialen Ausdruck bäuerlicher Lebensweise. Im Zuge der Romantik und der nationalen Wiedergeburt der Sorben um die Mitte des 19. Jahrhunderts wurde sie als Zeichen ethnischer Zugehörigkeit umgedeutet und zum visuellen Ausdruck sorbischer Identität. Die Tracht der Männer verschwand allerdings schon im 19. Jahrhundert. Länger erhielten sich die Frauentrachten, die einen einheitlichen Grundcharakter aufwiesen: Sie bestanden in der Regel aus Rock, Unterrock, Schürze, Hemd, Kittelchen, Mieder, Halstuch, Jacke, Haube, Kopftuch und Strümpfen, auch die Arbeitstrachten unterschieden sich nur unwesentlich voneinander. Dennoch haben sich im Laufe der Zeit verschiedene regionale Formen herausgebildet, vor allem in den Festtrachten. Sie gestatten es, von einzelnen Trachtengebieten zu sprechen. In den meisten Regionen wurden die Trachten allmählich aufgegeben, wozu vor allem die Industrialisierung im 19. Jahrhundert beigetragen hat. Heute werden vier Gebiete unterschieden, in denen die Tracht von älteren Frauen noch täglich getragen wird: die Gegenden um Cottbus im Norden, um Hoyerswerda und Schleife im mittleren Teil der Lausitz und die katholische Region in der Oberlausitz.

Die Tracht der Schleifer Sorben
Sieben Dörfer des Kirchspiels Schleife gehören zum Gebiet der Schleifer Tracht. Die dürftigen wirtschaftlichen Verhältnisse schlugen sich in der Wahl der Stoffe nieder. Grundmaterialien sind Woll- und Leinenstoffe. Über den knielangen Miederrock aus blau-grün gestreiftem, eng plissiertem Wolltuch wird eine großflächige Blaudruckschürze gebunden. Die Haube, im hinteren Teil durch eine Pappscheibe gestützt, besteht bei Mädchen aus rot gemustertem und bei Frauen aus blau- oder grünweißem Stoff. Im Jahr 2002 wurden noch 75 Frauen gezählt, die ständig in Tracht gehen.
Im Gegensatz zu anderen Regionen bildete sich hier eine besondere Kindertracht heraus. Mädchen und Jungen trugen bis zum vierten Lebensjahr ein rotgemustertes, meist kariertes Kleidchen und eine rote Haube. Nach dem vierten Lebensjahr bekamen die Jungen Hemd, Hose, Jacke und die Mädchen einen Miederrock. Ihre Alltagskleidung unterschied sich mit dem Schuleintritt nicht mehr von der der jungen Mädchen. Etwa seit 1880 existierte neben der traditionellen die so genannte halbdeutsche Tracht. Sie zeichnete sich durch eine einfachere Form, das Fehlen von Hauben und durch fast ausschließlich industriell gefertigtes Material aus. Diese Form machte etwa zehn Prozent im Vergleich zur traditionellen Tracht aus. Von der Männertracht erhielten sich bis zum Ersten Weltkrieg ein blauer Kirchgangsmantel sowie schwarze und rotbunte Halstücher.

Schleifer Tracht
Die Tracht der Sorben um Hoyerswerda
Zum Gebiet der Hoyerswerdaer Tracht gehören 28 Ortschaften. Hergestellt aus Leinen- und Wollstoffen dominieren klare, kräftige Farben. Typisch für die Sonn- und Festtagstracht der Mädchen und jüngeren Frauen sind der orangefarbene Oberrock, die schwarzseidene Haube mit Schleifen im Nacken und die gleich geformte weiße Mädchen-Tüllhaube. Da echter Schmuck in der Vergangenheit für die Bevölkerung der Heidegebiete unerschwinglich war, wurde er durch Glasperlen und Flitter imitiert. Eine Kindertracht gab es bis zum Zweiten Weltkrieg, die sich in der Form nicht von der der Erwachsenen unterschied. Bis Anfang der 1930er Jahre kleidete man auch Jungen bis zu vier Jahren in trachtenrockähnliche Kleidchen. Die Männertracht glich sich im 19. Jahrhundert der deutschen Kleidung an. Am längsten hat sich der lange blaue Mantel mit rotem Futter und glänzenden Knöpfen erhalten. Weitere Trachtenelemente, wie Hosen, Westen und Jacken aus Leinwand oder die blaue Latzschürze, erhielten sich in der Arbeitskleidung. Regionale Besonderheiten in den Festtrachten kennzeichnen die Vielfalt dieser Tracht, was sich u. a. im unterschiedlichen Kopfputz der Braut und Brautjungfern der einzelnen Gemeinden zeigt. Im Jahr 2002 gingen noch 68 Frauen ständig in Tracht. Des Weiteren werden vor allem die Festtrachten von Trachten- und Tanzgruppen gepflegt und gezeigt.
 
Die Tracht der Sorben um Cottbus
Die Region um Cottbus ist das größte sorbische Trachtengebiet. Etwa 60 Ortschaften gehören dazu. Sie wird oft als „Spreewaldtracht“ bezeichnet, obgleich der Spreewald nur einen geringen Teil des Gebietes ausmacht. Charakteristisch sind der Bandrock und das große Kopftuch (lapa). Früher wurde die lapa aus einem großen Tuch gebunden, heute aus drei Teilen. Seine jetzige Größe hat sie um 1925 erhalten. Mit seiner endgültigen Ausformung stieg das Kopftuch aus der Arbeitstracht über die Kirchgangstrachten in die höchsten Festtrachten auf und verdrängte die noch üblichen Mützenformen. Bis zum Zweiten Weltkrieg wurde die Tracht von fast allen sorbischen Mädchen und Frauen getragen. Während des Nationalsozialismus erfuhr die Tracht eine gewisse Förderung und Pflege als „deutsche Spreewaldtracht“ und wurde zu Trachtenfesten gezeigt. Um 1920 verschwanden die großen Kopftücher aus der Schulkleidung und Mädchen gingen mit bloßem Kopf oder im kleinen Kopftuch zur Schule. Die Männerkleidung war bereits seit dem 19. Jahrhundert modisch, obgleich weiterhin Leinwandhemden mit einfachen Stickereien, Leinwandhosen und -kittel getragen wurden. Derzeit gibt es noch etwa 100 Frauen, die täglich in Tracht gehen. Zudem werden die Festtrachten werden vor allem zu brauchtümlichen Anlässen, wie Zapust oder Hahnrupfen, getragen oder sind Auftrittskleidung folkloristischer Tanz- und Gesangsgruppen.
Cottbuser Tracht
Die Tracht der Sorben um Bautzen
Die Tracht um Bautzen wird den so genannten Truhentrachten zugerechnet, weil sie nicht mehr im Alltag getragen wird. Das Gebiet dieser Tracht umfasste etwa 35 Kirchspiele. Die genaue Verbreitung ist nicht mehr rekonstruierbar, weil bereits Anfang des 19. Jahrhunderts das schrittweise Ablegen der Tracht begann. Einzelne Trachtenelemente unterschieden sich von Ort zu Ort, z. B. die Konfirmandinnenkleidung. Einheitlich schwarz waren Rock, Spenzer und Schürze. Regional unterschiedlich war der Kopfputz: entweder eine Flügelhaube oder ein kleines weißes Trauertuch, das bis zu den Hüften reichte. Die Frauenhaube und das mit Knöpfen versehene Mieder waren Zeichen der verheirateten Frau. Mädchen und Jungen gingen bis zum vierten Lebensjahr im Röckchen. Dann bekamen Jungen Hosen und Mädchen meist eine vereinfachte, bunte Tracht der Erwachsenen. Die Männertracht unterschied sich bereits um 1800 nur wenig von der deutschen und der böhmischen, mit der sie farbig ausgenähte Knopflöcher und die zwischen Weste und Rock liegende Jacke gemeinsam hatte. Originalen Vorbildern nachgestaltete Trachtenvariationen werden heute zu besonderen kulturellen Anlässen getragen. Seit 1996 wurden wieder Mädchen in Konfirmandinnentracht konfirmiert.
Budyska drasta
Die Tracht der katholischen Sorben
Die Tracht der katholischen Sorbinnen wird in etwa 85 Orten der Kreise Bautzen und Kamenz getragen. Der Wohlstand dieser Gegend schlug sich auch in der Tracht nieder, für die industriell gefertigte Stoffe, wie Tuche, Seide, Wollstoffe mit Pelzverbrämungen verarbeitet wurden. Verhältnismäßig strenge Formen wie der bis zu den Knöcheln reichende lange Rock und dunkle Farben in der Kirchgangstracht werden auf den Einfluss der katholischen Lehre zurückgeführt. Auffallend ist das breite, schwarzseidene, zur Schleife gebundene Kopfband, das über den Rücken lang herabhängt. Die Differenzierung der Tracht richtet sich weniger nach sozialen als nach funktionalen Gesichtspunkten, wobei der Symbolwert der Farben hervortritt. So findet sich z. B. in der Brautjungferntracht die rote Farbe der Jugend im Rosa der Kopfbänder wieder. Grün ist die Farbe der Braut. Schwarz und Weiß tragen zeremoniellen Charakter und sind gleichzeitig Trauerfarben. Braut und Brautjungfer ziert ein Halsschmuck aus Silbermünzen, den ein feines Netz aus Glasperlen überdeckt. Die einstige Männertracht war um 1880 fast verschwunden. Im Jahr 2005 wurden noch 191 Frauen gezählt, die ständig in Tracht gehen. Außerdem legen katholische Mädchen und Frauen zu verschiedenen kulturellen Anlässen und familiären Festen mit religiösem Hintergrund die Tracht an.

Sorbische Katholisch Tracht

Foto: R.Ledźbor