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Zeittafel

Allgemein Zeittafel
Trachten
6./7. Jh.

Im Zuge der Völkerwanderung besiedeln slawische Stämme das Gebiet zwischen Ostsee und den Mittelgebirgen, zwischen Elbe und Saale im Westen und Oder-Bober-Queis im Osten.

631 Die Sorben werden als „Surbi“ in der Chronik des Fredegar erstmals schriftlich erwähnt.
932

Heinrich I. unterwirft die sorbischen Stammesgruppen der Lusizer und Milzener und macht sie tributpflichtig.

939

Markgraf Gero lässt bei einem Gastmahl 30 elbslawische Fürsten ermorden. Danach kommt es zu zahlreichen Slawenaufständen.

1018

Im Frieden zu Bautzen zwischen Polenherzog Bolesław Chrobry und dem deutschen Kaiser Heinrich II. werden die Territorien der Lusizer und Milzener dem polnischen Herrscher als Lehen zugesprochen (bis 1031).

1100-1300

Verbesserungen in der Landwirtschaft gehen mit einer
Bevölkerungszunahme und dem inneren Landesausbau in beiden Lausitzen einher. Durch die Einwanderung fränkischer, flämischer, thüringischer und sächsischer Bauern in das Gebiet östlich der Saale wird vor allem im späteren Westsachsen der Assimilierungsprozess der Sorben beschleunigt.

um 1327

Die Anwendung der sorbischen Sprache vor Gericht wird um Altenburg, Zwickau und Leipzig verboten. Das geschlossene sorbische Siedlungsgebiet schrumpft ostwärts weiter.

um 1530 Das älteste bekannte sorbische Schriftdenkmal – der Bautzener „Burger Eydt Wendisch“ – entsteht.
1548

Mikławš Jakubica – Pfarrer in Laubnitz/Niederlausitz – vollendet die erste Übersetzung des Neuen Testaments in die (nieder)sorbische Sprache, die ungedruckt bleibt. 1967 erscheint sie als Sprachdenkmal.

1574 Das erste sorbische Buch wird gedruckt: Albin Mollers „Wendisches Gesangbuch“ in niedersorbischer Sprache, das auch Luthers „Kleinen Katechismus“ enthält.
1635

Das kurfürstliche Sachsen erwirbt im Prager Frieden beide Lausitzen
als erbliches Lehen.

um 1650

Durch die verheerenden Auswirkungen des Dreißigjährigen Kriegs sowie durch Pest und andere Epidemien verkleinert sich das sorbische Sprachgebiet weiter, nahezu die Hälfte der sorbischen Bevölkerung stirbt aus.

1667 Der brandenburgische Kurfürst Friedrich Wilhelm ordnet die sofortige Vernichtung jeglichen sorbischen Schrifttums sowie die Abschaffung der sorbischsprachigen Gottesdienste an. 
1668

Die protestantisch dominierten Oberlausitzer Landstände beginnen die Herausgabe sorbischer religiöser Schriften zu fördern.

1688 Jurij Hawštyn Swětlik übersetzt bis 1711 das Alte und das Neue Testament für die katholischen Sorben. Die Handschrift in fünf Bänden bleibt ungedruckt.
1706 Die Brüder Šimon gründen eine Stiftung zur Errichtung des Wendischen Seminars in Prag, welches bis 1922 als Hauptbildungsstätte für den sorbischen katholischen Priesternachwuchs dient.
1706/1709

Im Druck erscheinen das Neue Testament in der obersorbischen Übersetzung von Michał Frencel sowie in Niedersorbisch von Bogumił Fabricius.

1716 Sorbische Studenten der evangelischen Theologie schließen sich in Leipzig zum Wendischen Prediger-Collegium zusammen.
1767

Jurij Mjeń begründet mit seinem Hohelied auf die sorbische Sprache („Serskeje rěče zamóženje a chwalba w rěčerskim kěrlišu“) die sorbische weltliche Kunstdichtung.

1815

Der Wiener Kongress beschließt die territoriale Neugliederung des sorbischen Siedlungsgebiets; die Niederlausitz und die nordöstliche Oberlausitz fallen Preußen zu. Diese Teilung drängt die sorbische Bevölkerung in fast allen Kreisen in die Minderheit.
In den Folgejahren kommt es durch Verordnungen und durch die Tätigkeit von deutschen Geistlichen und Lehrern in sorbischen Gebieten zum weiteren Rückzug der sorbischen Sprache aus der Öffentlichkeit.

1835

Der Sächsische Landtag verankert in einem neuen Schulgesetz die Anwendung der sorbischen Sprache in einigen Schulfächern.

1841/1843 Jan Arnošt Smoler und Leopold Haupt veröffentlichen die zweibändige Sammlung der „Volkslieder der Wenden in der Ober- und Nieder-Lausitz“.
1842

Die sorbische Presse beginnt periodisch zu erscheinen. Handrij Zejler, der Dichter der sorbischen Wiedergeburt (1. Hälfte des 19. Jhs.), gründet die „Tydźenska Nowina“, Vorläuferin der bis heute erscheinenden Tageszeitung „Serbske Nowiny“. (Die erste gedruckte sorbische Zeitung erschien 1790, von 1809 bis 1812 gab Jan Dejka ein Monatsblatt heraus.)

1845 In Bautzen findet das erste sorbische Gesangsfest statt.
1847

Gegründet wird die wissenschaftlich-kulturelle Gesellschaft Maćica Serbska als erste gesamtsorbische Vereinigung.

1848 5 000 sorbische Haushaltsvorstände fordern von der königlich-sächsischen Regierung in der „Großen Petition der Sorben“ die Gleichberechtigung der sorbischen Sprache in Schule, Kirche, Verwaltung und vor Gericht. Sorbische Bauern schließen sich in Vereinen zusammen und verleihen mit weiteren Petitionen ihren sozialen Forderungen Nachdruck.
1854

Die erste Auswanderungswelle der Sorben nach Texas und Australien erreicht ihren Höhepunkt.

1875

Unter Jakub Bart-Ćišinski, dem späteren Klassiker der sorbischen Literatur, und Arnošt Muka, der in den folgenden 50 Jahren zum Repräsentanten der sorbischen Wissenschaft avanciert, formiert sich die „jungsorbische Bewegung“. Mit Mitteln der Kunst und Kultur, der Literatur und Wissenschaft trägt sie wesentlich zur Stärkung des sorbischen Nationalbewusstseins bei.
Studenten und Gymnasiasten organisieren in Crostwitz das erste ihrer alljährlich stattfindenden Treffen, die „Schadźowanka“.
In der Niederlausitz erreicht die Literaturentwicklung mit Mato Kosyk einen Höhepunkt; die studierende Jugend gruppiert sich um Bogumił Šwjela zur niedersorbischen Bewegung.

Ende des 19. Jh.

Die Industrialisierung der Lausitz bringt einen spürbaren
Wirtschaftsaufschwung und eine erhebliche Zuwanderung mit sich. Sowohl in Preußen wie in Sachsen setzt nach der Reichsgründung ein schärferer antisorbischer Kurs ein.

1904 Das Wendische Haus, erbaut größtenteils aus Spenden des sorbischen Volkes, wird in Bautzen eingeweiht. Es wird zum Symbol des Lebenswillens und zum Mittelpunkt des kulturellen Lebens der Sorben.
1912 Sorbische Vereine gründen in Hoyerswerda einen Dachverband mit Namen Domowina („Heimat“).
1919-1932 Die Weimarer Verfassung gewährt den nichtdeutschen Volksteilen eine freie Entfaltung. Die Umsetzung in entsprechende Gesetze und Verordnungen bleibt jedoch aus.
1925

Jan Skala gründet in Berlin die Zeitschrift des Verbands der nationalen Minderheiten „Kulturwille“ (ab 1926 „Kulturwehr“), die für die Rechte der in Deutschland lebenden Polen, Dänen, Friesen, Litauer und Sorben eintritt.

1933-1937

Sorbische Vereine widersetzen sich den nazistischen Gleichschaltungsversuchen; es folgen Verhaftungen, Repressalien, Verbote.

1937

Der Domowina sowie weiteren sorbischen Organisationen wird ein Tätigkeitsverbot auferlegt. Alle sprachlichen und kulturellen Aktivitäten gelten als staatsfeindlich.
In der Nazizeit werden sorbische Lehrer und Geistliche beider Konfessionen sowie weitere Geistesschaffende aus der Lausitz ausgewiesen. Die Herausgabe von Zeitungen und Büchern muss eingestellt werden, das Wendische Haus, der Verlag, die Druckerei, die Buchhandlung und das Museum werden geschlossen und enteignet, das Archiv und die Bibliothek der Maćica Serbska später konfisziert.

1945 Am 10. Mai wird in Crostwitz die Domowina erneuert und von der Besatzungsmacht als demokratische Organisation anerkannt.
1948

Der Sächsische Landtag beschließt das „Gesetz zur Wahrung der Rechte der sorbischen Bevölkerung“. Das Land Brandenburg übernimmt 1950 dieses Gesetz durch Verordnung.
Auf der Grundlage der Verfassung der DDR werden später mehrere Durchführungsbestimmungen erlassen.

1948-1958

Unter Einsatz erheblicher staatlicher Mittel werden zahlreiche Institutionen gegründet, die eine breite Entwicklung der sorbischen Kultur und Wissenschaft ermöglichen und zugleich als Identifikationszentren der slawischen Minderheit wirken (z. B. Theater, Volkskunstensemble, Forschungs- und Universitätsinstitut, Lehrerbildungsanstalt und Verlag). Gleichzeitig werden die Einrichtungen zunehmend dazu benutzt, das Machtmonopol der SED bei den Sorben durchzusetzen.

1966-1989 Als Höhepunkte des kulturellen Lebens werden sieben Festivals der sorbischen Kultur organisiert, die zur Darstellung der Nationalitätenpolitik der DDR dienen.
1989

Im Herbst ruft die Sorbische Volksversammlung zum Dialog mit der Staatsmacht auf und fordert von der Domowina eine Neuorientierung.

1990-1992 Gründung bzw. Erneuerung sorbischer Vereine, Gesellschaften und Institutionen, u.a. Domowina, Sorbisches Institut, Sorbische Fachschule für Sozialpädagogik, Maćica Serbska, Sorbischer Schulverein, Cyrill-Methodius-Verein, Sorbischer Künstlerbund und Bund sorbischer Gesangvereine.
1991

Errichtet wird gemeinsam vom Bund, vom Freistaat Sachsen und vom Land Brandenburg die „Stiftung für das sorbische Volk“, die der Pflege und Entwicklung der sorbischen Sprache, Kultur und Wissenschaft dient. Sie wird in den Geschäftsbereich der Sächsischen Staatskanzlei eingebunden.

1994 Der Landtag in Brandenburg verabschiedet das „Gesetz zur Ausgestaltung der Rechte der Sorben (Wenden) im Land Brandenburg“.
1998 Am 28. August wird zwischen dem Land Brandenburg und dem Freistaat Sachsen der Staatsvertrag über die Errichtung der „Stiftung für das sorbische Volk“ mit gleichzeitigem Finanzierungsabkommen (gültig bis 2007) unterzeichnet.
1999

Mit Inkrafttreten des Staatsvertrags am 1. Januar erhält die Stiftung für
das sorbische Volk ihre rechtliche Selbstständigkeit.
Der Sächsische Landtag verabschiedet am 20. Januar das „Gesetz über die Rechte der Sorben im Freistaat Sachsen“.

2001

Im Crostwitzer Schulstreik protestieren vom 6. August bis 1. September zahlreiche Sorben gegen die Schließung der Sorbischen Mittelschule „Jurij Chěžka“ in Crostwitz. Die Schule wird mit Ende des Schuljahres 2002/2003 geschlossen.

2007

Zum Ende des Schuljahres 2006/2007 schließt die Sorbische
Mittelschule „Šula Ćišinskeho“ in Panschwitz-Kuckau.

2008

Etwa 500 Sorben und Sympathisanten protestieren am 29. Mai in Berlin für den Abschluss eines neuen Finanzierungsabkommens und für eine auskömmliche finanzielle Ausstattung der Stiftung für das sorbische Volk.

2009

Am 10. Juli unterzeichnen das Land Brandenburg, der Freistaat Sachsen und die Bundesrepublik Deutschland das Zweite Abkommen über die gemeinsame Finanzierung der „Stiftung für das sorbische Volk“. Es gilt bis zum 31. Dezember 2013.