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Die Sorben

Allgemein Zeittafel
Trachten

Sorben oder Wenden?

Mit dem Namen V e n e d i (Veneti) bezeichneten römische Geschichtsschreiber alle ihnen nicht im Einzelnen bekannten slawischen Stämme, die seit der Völkerwanderung zwischen den Karpaten und der Ostseeküste lebten. Später belegte man im Deutschen alle Slawen, die im nachmaligen Ost- oder Mitteldeutschland  sowie in den Alpenländern siedelten, mit dem davon abgeleiteten Begriff Wenden bzw. Winden. 
  Die altsorbischen Stämme ließen sich auf einem Territorium nieder, das begrenzt wurde von Elbe und Saale im Westen, von den Mittelgebirgen im Süden, den Flüssen Oder, Bober und Queis im Osten und einer gedachten Linie Frankfurt/Oder - Köpenick - Magdeburg im Norden. Auf einem Raum, der heute ca. 7 Millionen Menschen beherbergt, lebten schätzungsweise
300 000 Bewohner.
  Erstmals erwähnt wurden die Sorben 631 von dem fränkischen Chronisten Fredegar. Er wählte die lateinische Form S u r b i – später tauchte  auch 
S o r a b i  auf –, die  von  dem  slawischen  Eigennamen S e r b j a (obersorbisch) bzw. S e r b y (niedersorbisch) herkommt.
Bei den Niedersorben sind heute in ihrer deutschsprachigen Selbstbezeichnung beide Begriffe, Wenden und Sorben, gebräuchlich.

Quelle: „Die Sorben in Deutschland“, herausgegeben von der Stiftung für das sorbische Volk, 1999

Serby / Serbja / Die Sorben
sind das kleinste slawische Volk – sie zählen etwa 60 000. Ihre Vorfahren sind slawische Stämme, die im Zuge der Völkerwanderung vor mehr als 1400 Jahren das Land zwischen Oder und Elbe/Saale, zwischen Ostsee und den deutschen Mittelgebirgen besiedelten. Nach dem Verlust der politischen Selbstständigkeit im 10. Jahrhundert verringerte sich ihr Siedlungsgebiet durch Assimilation und durch eine zielgerichtete Germanisierung. Lediglich den Nachkommen der oberlausitzischen Milzener und der niederlausitzischen Lusizer ist es gelungen, ihre Sprache und Kultur bis in die Gegenwart zu erhalten. Die Sorben/Wenden sind eine der vier autochthonen Minderheiten in Deuschland.

Sedleński rum / Sydlenski rum
Das sorbische Siedlungsgebiet

ist seit 1000 Jahren ständig geschrumpft. Die wachsende Dominanz deutscher Sprache und Kultur in allen Lebensbereichen, häufig noch verstärkt durch Unterdrückung des Sorbischen/Wendischen in Kirche, Schule und Öffentlichkeit, führte zum Verlust sorbischer Sprache und Kultur. Die Heimat der Sorben ist die Oberlausitz im Freistaat Sachsen und die Niederlausitz im Land Brandenburg.
Sprachgebiet

Serbska rěc / Serbska rěč
Die sorbische/wendische Sprache

hat sich einige Besonderheiten des Altslawischen bewahrt.
Nach der Reformation entstanden mehrere schriftsprachliche Formen des Sorbischen auf unterschiedlicher dialektaler Basis.
Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts konnten sich davon endgültig zwei Sprachen durchsetzen: Die obersorbische Schriftsprache auf der Grundlage des um Bautzen gesprochenen Dialekts als verbindliche Norm im sorbischsprachigen öffentlichen Verkehr in der Oberlausitz und  das Niedersorbische auf der Basis des Cottbuser Dialekts in der Niederlausitz.
Im Grenzgebiet des Ober- und Niedersorbischen sind Übergangsdialekte entstanden, die Elemente beider Sprachen in sich vereinen.

Serbska kultura
Die sorbische Kultur
begann sich in der Mitte des 19. Jahrhunderts als bürgerliche Kultur zu entfalten. Durch die Jungsorbische Bewegung kam ein eigenständiges Nationalbewusstsein zum Durchbruch, die sorbische nationale Wiedergeburt. Wie kaum ein anderes Volk vergleichbarer Größe vollbrachten die Sorben beachtliche Leistungen in Kunst, Kultur und Wissenschaft.

 Serbske narodne drastwy / Serbske narodne drasty
Das Trachtengebiet

in der sorbischen Lausitz ist eines der größten in Deutschland.
Von den ehemals elf regionalen Formen sind heute noch vier lebendig: im Norden bei Cottbus, im mittleren Teil der Lausitz um Hoyerswerda und Schleife und im Süden in den katholischen Dörfern westlich von Bautzen.
Für wenige ältere Frauen (etwa 400 im Jahr 2008) ist die Tracht heute noch Alltagskleidung, für viele jüngere Frauen und Mädchen ist sie aber vor allem Festkleidung und sichtbarer Ausdruck ihrer Identität, z. B. zu religiösen Festen. Nach der politischen Wende erlebten die Trachten in der Lausitz eine Art Renaissance. Es entstanden vielerorts Heimat- und Trachtenvereine.

Serbske nałogi / Serbske nałožki
Die sorbischen Bräuche
sind wie viele slawische Bräuche heidnischen Ursprungs und werden in abgewandelter Form noch heute mit großer Beliebtheit gepflegt, wobei es territoriale Unterschiede gibt. Viele Sitten und Bräuche gruppieren sich um christliche Hauptfeste (zu Weihnachten und Ostern) oder ordnen sich in den Ablauf des bäuerlichen Arbeitsjahres ein. Weit verbreitet sind Winter- und Frühlingsbräuche wie die Vogelhochzeit, wendische Fastnacht, Osterfeuer und Hexenbrennen, Maibaumaufstellen und -werfen oder Erntebräuche wie das Hahnrupfen, Hahnschlagen, Stoppelreiten und Kranzstechen.
Zu diesen Anlässen tragen die jungen Mädchen oftmals ihre Festtracht.

Konfesija Serbow
Die Konfession der Sorben/Wenden

Die katholische sorbische Lausitz ist ein relativ geschlossener Raum zwischen Bautzen, Kamenz und Wittichenau. In diesem Dreieck leben in acht Pfarrgemeinden mehr als 10 000 sorbische Katholiken. Die tägliche Umgangssprache in Familien, Schulen, Kindergärten und im öffentlichen Leben ist überwiegend Sorbisch. Evangelische Gemeinden, vorrangig in der Mittel- und Niederlausitz, mit einem überwiegenden Anteil von Sorben gibt es nicht mehr. Jedoch finden sich in nahezu allen Parochien sorbischsprachige Gemeindemitglieder, die seit Ende der 80er Jahre wieder die Möglichkeit haben, an wendischen Gottesdiensten teilzunehmen. Nicht alle Sorben sind konfessionsgebunden.

DOMOWINA – Zwězk Łužyskich Serbow z.t.
DOMOWINA – Zwjazk Łužiskich Serbow z.t.
Die DOMOWINA – Bund Lausitzer Sorben e.V.

wurde am 13. Oktober 1912 als Dachverband sorbischer Vereine in Hoyerswerda gegründet. 1937 wurde ihr die weitere Tätigkeit von den NS-Behörden untersagt. Am 10. Mai 1945 wurde die Domowina als antifaschistisch demokratische Organisation mit späteren Kreisverbänden in Crostwitz in der Oberlausitz wieder gegründet. Für die Niederlausitz  entstand erstmals 1946  in Werben ein Regionalverband mit späteren Kreisverbänden.
Im Zuge der institutionellen Förderung von sorbischer Sprache und Kultur in der DDR baute sie ihre Basis beträchtlich aus. Viele ihrer Mitglieder bekannten sich bewusst als Sorben/Wenden. Um als “Massenorganisation” anerkannt zu werden, setzte sich die Domowina für den “sozialistischen Aufbau” ein, was negative Auswirkungen auf die Sprach- und Kulturpflege hatte. Im Zuge der politischen Wende erneuerte sie sich strukturell und inhaltlich. Heute wirkt die Domowina als politisch unabhängiger und selbstständiger Bund Lausitzer Sorben und Dachverband sorbischer Vereine der Ober- und Niederlausitz. Sie fühlt sich verantwortlich für die weitere Zukunft des sorbischen Volkes. Der Bundesvorstand der Domowina wird demokratisch gewählt und repräsentiert alle Schichten und Interessengruppen der Sorben in Sachsen und Brandenburg.

Rěcny centrum WITAJ/Rěčny centrum WITAJ
Das WITAJ-Sprachzentrum
wurde am 01.01.2001 als selbstständige Abteilung der Domowina in Bautzen gegründet. Hauptaufgabe ist die Revitalisierung der sorbischen/wendischen Sprache mit dem Ziel, die Sprache als wichtigstes Identitätsmerkmal der Sorben zu erhalten und zu fördern. Der 1990 gegründete Sorbische Schulverein e.V. begann 1998 mit dem Aufbau von WITAJ-Kindertagesstätten und -gruppen in der Lausitz, in denen die sorbische/wendische Sprache bereits im Kleinkindalter nach der Methode der Immersion spielend vermittelt wird. Das WITAJ-Sprachzentrum führt diese Initiativen fort, bildet ErzieherInnen in Sprachkursen aus und erarbeitet sorbische Schulbücher sowie zusätzliche Arbeitsmaterialien für das WITAJ-Projekt und den Sorbischunterricht in den Schulen. Die Palette der Sprachprojekte reicht von der Erarbeitung vielfältiger Computerlernspiele bis zu Veranstaltungen mit Kindern, Jugendlichen und Familien.

Załožba za serbski lud
Die Stiftung für das sorbische Volk
wurde am 19. Oktober 1991 in Lohsa bei Hoyerswerda durch den Freistaat Sachsen, das Land Brandenburg sowie den Bund errichtet. Mit Inkrafttreten des Staatsvertrages zwischen dem Land Brandenburg und dem Freistaat Sachsen vom 28. August 1998 erhielt die Stiftung den Status einer rechtsfähigen Stiftung des öffentlichen Rechts. Aus Mitteln der Stiftung werden sorbische Institutionen und Projekte zur Bewahrung und Fortentwicklung der sorbischen Sprache, Kultur und Identität gefördert.